Gerne stellen wir heute den mittlerweile hauptberuflichen Carver Dirk Wulf vor. Der Mittvierziger aus Lüneburg ist verheiratet und stolzer Vater von zwei Töchtern. Er liebt Herausforderungen, die Arbeit mit Holz und das Leben im Allgemeinen :-). Viel Spaß:

Foto: Dirk Wulf

Foto: Dirk Wulf

Foto: Dirk Wulf

 

 

 

 

 

Wie geht es Ihnen im Augenblick?
Ganz gut. Ich komme gerade aus der Winterpause, wo es ruhiger war. Jetzt arbeite ich bereits für einige anstehende Kunsthandwerker-Märkte vor.

Wie sind Sie zum Carving gekommen?
Meine Frau und ich waren auf einer Hochzeit eines befreundeten Paares eingeladen. Und wir brauchten ein Geschenk. Meine Frau kam auf die Idee, einen Pferdekopf aus Holz zu schnitzen, wo man das Geld anbringen kann. Davon inspiriert habe ich mich noch
im Keller bei uns daheim mit der Motorsäge an einem alten Stamm versucht. So entstand unsere erste Eule „Berta“ für unseren Garten. Kurz darauf wurden unsere Nachbarn darauf aufmerksam und wollten auch so eine Eule. Gesagt, getan. Dann kamen Freunde der Nachbarn und so weiter. Irgendwann fing ich dann an meine Arbeiten – die ich nur als Hobby verstand – bei einem Landhandel zu verkaufen. Ich hatte einfach keinen so einen großen Garten. Daher konnte ich nicht alles behalten.  

Was war beim Carving bisher Ihre größte Herausforderung?
Das war sogar erst vor kurzem der Fall: Auf einem Markt in Hamburg sprach mich ein bekannter Radiomoderator an. Er ist Eigentümer einer kleinen Einkaufspassage in Schwarzenbek. Er wollte für die Eingänge zwei 2-Meter große Bären haben, die Schilder in den Tatze halten. Das Holz dafür hatte ich. Aber die Herausforderung war, auf meinem Sägeplatz die am Boden liegenden Stämme aufzurichten, um sie bearbeiten zu können. Lange Rede, kurzer Sinn: ich war ganz schön beschäftigt, bis ich mit dem Werk auch selbst zufrieden war.
Im Anschluss wartete dann noch eine weitere Herausforderung. Und zwar die Bären auf meinen Anhänger zu verladen. Das Brennholz war ja nun weg und der Stamm leichter. Ein Freund aus dem Ort konnte mir bei beiden Aktionen mit einem Trecker helfen.
Unter uns: Ist schon doof, wenn man vor seinem Anhänger steht, das Equipment für das Gewicht nicht reicht, und am nächsten Tag Lieferung sein soll (lacht). Ich sag’ mal … da ging mir schon die Düse. Aber es hat ja alles geklappt. Das Foto eines Bären sehen sie ja hier.

Gibt es ein Lieblingsmotiv, das immer wieder entsteht?
Ja, na klar: Eule / Uhu. Damit hat alles angefangen. Sowas wird immer gerne für Gärten und Terrasse genommen bzw. bestellt. Heute könnte man mich aus dem Schlaf reißen und ich würde sofort – also noch im Halbschlaf – eine Eule sägen. Damit fangen auch die meisten Carver an.    

Kann man sich Ihre Kunstwerke ansehen, wenn ja, wo?
Ich bin regelmäßig auf Kunsthandwerker-Märkten unterwegs. Die Termine versuche ich immer auf meiner Seite zu aktualisieren. Teilweise wird dort auch live gesägt. Viele Besucher sind angetan von meiner Arbeit und können sich gar nicht vorstellen, was mit einer Säge zu schaffen ist. 
Bei mir zu Hause habe ich manchmal einige Figuren vor Ort. Oder auf meiner „Costa Wulf“, wo ich in Ruhe sägen kann und niemanden störe (Anm. d. Red.: das ist Dirk Wulffs kleines Refugium zum Rückzug und Arbeiten).           

Haben Sie eine Lieblings-Holzsorte?
Lärche, Douglasie und Eiche verarbeite ich gerne. Ich versuche immer wieder, an gute Holzsorten heranzukommen. Durch eine gute Beziehung und unseren Wohnort in Wald-Nähe, brauche ich meist nur beim Förster anzurufen. Er hat fast immer was für mich.

Wie viele Kettensägen besitzen Sie?
Ich habe derzeit 6 Kettensägen. Eine Akkusäge von Stihl, 2 von Echo und 3 von Husqvarna. Eigentlich noch zu wenig (lacht). Natürlich macht mal die eine oder andere schlapp, aber bei Live-Vorführungen habe ich immer eine Reserve parat. Zuhause versuche ich immer bestmöglich und selbständig, die Säge wieder zum Laufen zu kriegen.

Nutzen Sie Benziner oder Elektrokettensägen?
Ich nutze überwiegend Benziner-Sägen. Lediglich eine Akkusäge habe ich mir mal angeschafft, um geräuscharmer arbeiten zu können.

Kommt in Ihrem Lieblingsfilm eine Kettensäge vor?
Definitiv nein. Ich gucke alles, wo keine Kettensäge drin vor kommt. Kettensägen-Massaker kenne ich vom Hören, aber sowas schaue ich nicht.

Welchen Freizeitbeschäftigungen gehen Sie gerne nach, die nichts mit Kettensägen zu tun haben?
Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie. Wir machen gerne Ausflüge mit unserem Jack-Russell-Terrier „Lilly“. Fahren mit unseren Töchtern ins Kino, im Sommer an die Elbe. Oder ich begleite meine Frau zum Geocaching.
Um einigermaßen gesund zu bleiben, habe ich vor 11 Jahren – pünktlich zum Hauskauf –  mit dem Rauchen aufgehört und mir im Keller ein kleines Fitness-Center eingerichtet. (Anm. der Red.: Klasse! 🙂 Unser Glückwunsch, wer rastet, der rostet!)

Für was würden Sie alles stehen und liegen lassen?
Für Urlaub mit meiner Familie! Meine Frau hat spanische Wurzeln und wir möchten auf jeden Fall mal wieder nach Andalusien. Das letzte Mal war noch ohne Kinder. 
Einmal im Jahr gönnen wir uns aber einen kleinen Urlaub mit Kind und Köti. Harz und Wattenmeer waren bisher unsere Ziele. Dieses Jahr geht es möglicherweise in die Berge.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Typisches Carver-Motto: “In jedem Stamm steckt eine Figur. Man muss nur das Brennholz vorher wegschneiden.”    

Welche drei Gegenstände würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Kettensäge, Feuerzeug und ein schönes Pils.

Was möchten Sie im Carving und was im Leben noch erreichen?
Da ich kürzlich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, möchte ich lediglich viele weitere zufriedene Kunden, deren Wünsche ich immer versuche umzusetzen.  Durch diese Wünsche kann ich mich immer weiter entwickeln, neue Ideen verwirklichen und mein Können ausbauen. Ich möchte noch ganz lange mein kleines feines Handwerk ausüben können. Später dann eben mit vernünftiger Säge-Halterung am Rollator, damit ich dennoch sicher in den Wald komme (lacht).

Ja und vielleicht den einen oder anderen ebenfalls an das Carving heran führen. Zumindest bei meiner Frau und meiner ältesten Tochter hat das schon geklappt. Die packen beide auch mal bei Fäll-Arbeiten mit an! Ansonsten bin ich mit meinem Leben gerade wunschlos zufrieden.

Sind Sie auch Carverin oder Carver aus Leidenschaft? Dann mailen Sie uns, wenn Sie auch Interesse haben bei “Carving direkt” mitzuwirken. Senden Sie dazu einfach eine eMail an team@fichtenmoped.de. Wir freuen uns auf Sie.